Wenn wir einen richtig gut eingerichteten Raum sehen, fallen uns meistens zuerst die sichtbaren Dinge auf: ein schönes Sofa, eine besondere Leuchte, eine stimmige Wandfarbe oder ein toller Esstisch. Was wir dagegen kaum wahrnehmen, sind all die Entscheidungen, die dafür sorgen, dass dieser Raum nicht nur schön aussieht, sondern sich auch richtig gut anfühlt.
Dass zwischen Sofa und Couchtisch genau genug Platz ist. Dass man bequem durch den Raum laufen kann. Dass der Esstisch weder verloren wirkt noch den Durchgang blockiert. Dass eine Leuchte dort hängt, wo sie tatsächlich gebraucht wird. Und dass man beim Betreten des Raumes nicht als Erstes auf die Rückseite eines großen Schranks schaut.
Genau das ist für mich ein wichtiger Teil von Interior Design. Denn gute Einrichtung besteht nicht nur aus schönen Möbeln. Sie beginnt viel früher.
Ein schöner Raum braucht die richtigen Proportionen
Ein Sofa kann wunderschön sein und trotzdem nicht zum Raum passen.
Vielleicht ist es etwas zu groß und lässt den Wohnbereich dadurch vollgestellt wirken. Vielleicht ist es zu klein und verliert sich in einem großzügigen Raum. Oder die Kombination aus Sofa, Teppich und Couchtisch stimmt in ihren Proportionen nicht miteinander überein.
Deshalb schaue ich bei einer Planung nicht nur darauf, welches Möbelstück gut aussieht, sondern auch darauf, welche Größe der Raum überhaupt verträgt: Wie breit darf das Sofa sein? Wie groß sollte der Teppich dazu sein? Wie viel Platz braucht der Esstisch inklusive Stühlen? Und welche Möbel dürfen bewusst größer sein, damit der Raum nicht aus vielen kleinen Einzelteilen besteht?
Oft machen wenige Zentimeter einen überraschend großen Unterschied.
Laufwege entscheiden darüber, wie sich ein Raum anfühlt
Ein Grundriss kann auf den ersten Blick funktionieren und im Alltag trotzdem unpraktisch sein.
Das passiert zum Beispiel, wenn man ständig um einen Sessel herumlaufen muss, ein Esstisch zu nah an einer Wand steht oder der Weg zur Terrasse mitten durch den zu eng gestellten Wohnbereich führt.
Deshalb gehören Laufwege für mich zu jeder Möblierungsplanung dazu: Wie bewege ich mich durch den Raum? Wo komme ich hinein? Welche Wege werden besonders häufig genutzt? Lassen sich Schubladen und Schranktüren problemlos öffnen? Kann jemand am Esstisch sitzen, während eine andere Person dahinter vorbeigeht?
Diese Fragen klingen wenig spektakulär. Aber genau sie entscheiden später darüber, ob sich ein Zuhause selbstverständlich und angenehm nutzen lässt. Und im besten Fall fällt die Planung dahinter überhaupt nicht auf.
Blickachsen werden oft unterschätzt
Neben Laufwegen spielen auch Blickachsen eine große Rolle: Was sehe ich, wenn ich einen Raum betrete? Wohin fällt mein Blick vom Sofa aus? Was sehe ich vom Esstisch? Gibt es einen schönen Ausblick, den man bewusst einbeziehen kann? Oder eine lange Sichtachse durch mehrere Räume, die möglichst ruhig bleiben sollte?
Nicht jedes Möbelstück muss automatisch an der nächsten freien Wand stehen.
Manchmal ist es viel spannender, ein Sofa frei im Raum zu platzieren, einen Sessel bewusst zum Fenster auszurichten oder einen Essbereich so zu drehen, dass er sich zum schönsten Teil des Raumes öffnet.
Gerade bei offenen Wohnbereichen kann die richtige Ausrichtung der Möbel enorm viel verändern.
Anschlüsse sollten zur Einrichtung passen und nicht umgekehrt
Steckdosen, Lichtauslässe, TV Anschlüsse und andere technische Punkte wirken zunächst wie Nebensache. Spätestens bei der Einrichtung merkt man aber, wie stark sie die Möglichkeiten beeinflussen: Ein Deckenauslass sitzt mittig im Raum, der Esstisch soll aber eigentlich an einer ganz anderen Stelle stehen. Hinter dem geplanten Sideboard fehlt eine Steckdose. Die Leselampe braucht Strom, aber genau dort ist keiner vorgesehen.
Besonders im Neubau oder bei einer Sanierung lohnt es sich deshalb, die Möblierung möglichst früh mitzudenken.
Nicht weil schon jedes einzelne Möbelstück feststehen muss. Sondern weil zumindest klar sein sollte, wie der Raum später grundsätzlich genutzt und eingerichtet werden soll. So kann die Technik die Einrichtung unterstützen, statt sie später einzuschränken.
Lies mehr hierzu in folgenden Artikeln:
Haus gekauft - und jetzt? So planst du Grundriss, Renovierung und Einrichtung richtig
7 Dinge, die du bei Renovierung oder Hausbau frühzeitig mitdenken solltest
Licht ist mehr als eine Leuchte in der Mitte des Raumes
Auch Licht funktioniert am besten, wenn es gemeinsam mit der Einrichtung geplant wird: Wo wird gelesen? Wo gegessen? Wo braucht es funktionales Licht und wo eher eine gemütliche Atmosphäre? Welche Bereiche sollen betont werden?
Ein Raum wirkt meistens deutlich wohnlicher, wenn das Licht aus unterschiedlichen Quellen kommt und verschiedene Funktionen übernimmt.
Die Pendelleuchte über dem Esstisch kann zum Beispiel nicht nur Licht spenden, sondern den Essbereich optisch definieren. Eine Stehleuchte neben dem Sessel schafft eine kleine Lesezone. Indirektes Licht kann Architektur oder Einbauten hervorheben.
Dafür muss aber zuerst klar sein, wo diese Bereiche überhaupt entstehen.
Lies mehr hierzu in folgendem Artikel:
Lichtplanung: Warum eine einzelne Lampe nie ausreicht
Nicht jede freie Fläche muss gefüllt werden
Ein Punkt, der bei der Einrichtung schnell vergessen wird: Ein Raum braucht auch leere Flächen.
Nur weil an einer Wand noch Platz für ein Sideboard wäre, bedeutet das nicht automatisch, dass dort zwingend eines stehen sollte.
Freie Flächen geben Möbeln Raum zu wirken, schaffen Großzügigkeit und können Blickachsen unterstützen. Gerade wenn ein Raum viele Funktionen erfüllen muss, ist es verlockend, möglichst jede Ecke bis ins kleinste Detail auszunutzen. Gute Planung bedeutet für mich nicht immer, möglichst viel unterzubringen, sondern herauszufinden, was der Raum wirklich braucht und wo es Bewegungsraum und freie Flächen benötigt.
Gute Einrichtung sieht am Ende oft ganz selbstverständlich aus
Das Spannende an einer gelungenen Planung ist, dass man viele dieser Entscheidungen später gar nicht mehr bewusst wahrnimmt.
Man denkt nicht darüber nach, warum der Weg zur Balkontür angenehm breit ist. Warum das Sofa genau an dieser Stelle steht. Warum der Teppich die richtige Größe hat oder warum sich der Essbereich trotz offenem Grundriss wie ein eigener Bereich anfühlt - Es funktioniert einfach. Und genau darin steckt für mich ein großer Teil von gutem Interior Design.
Es geht nicht darum, möglichst viele besondere Möbel oder aktuelle Trends in einem Raum unterzubringen. Es geht darum, den Raum als Ganzes zu verstehen und Gestaltung, Funktion und Alltag miteinander zu verbinden.
Maße, Laufwege, Blickachsen, Proportionen, Anschlüsse und Licht sind vielleicht nicht das Erste, was man auf einem schönen Interior Foto sieht. Aber sie sind oft der Grund dafür, warum ein Raum am Ende wirklich gut funktioniert und sich genauso gut anfühlt, wie er aussieht.
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